Schmackhaft und unterhaltsam

Ausdrucksstarkes Spiel: Henrik Jochim und Merle Schrader auf der Bühne. FOTOs: Huppert
Da gibt es keinen Zweifel: Wenn die Deister-Süntel-Bühne zum Theatermenü in ihr Theater am Wall einlädt, dann ist nicht nur ein volles Haus, sondern vor allem äußerst schmackhafte Theaterunterhaltung angesagt. Die servierte die Truppe unter der Leitung von Bühnenchefin Brigitte Kolde auch im 16. Jahr ihres Bestehens, und zwar mit dem Dreiakter „Aspirin und Bratkartoffeln“.
VON CHRISTOPH HUPPERT
Drei Akte, im 16. Jahr und unserem 13. Stück“, sagt Brigitte Kolde. Die 13 erweist sich für die Leiterin der Deister-Süntel-Bühne dabei als Glückszahl, denn auch der eigens aus Friedland bei Göttingen angereiste Autor des aktuellen Stücks „Aspirin und Bratkartoffeln“, Christian Lange, zeigte sich von der Leistung der münderschen Amateurbühne beeindruckt. Der ehemalige Sparkassen-Filialleiter war durch seine Tante vor vielen Jahren zur Bühne gekommen und hat bislang zahlreiche Stücke verfasst. „Jetzt hier wieder einmal eines zu sehen, ist eine besondere Freude“, stellte der Autor fest, der zusammen mit seiner Ehefrau Hella nach Bad Münder gekommen war.
Langes Stück erhält seine besondere Schmackhaftigkeit durch eine Vielzahl von Zutaten: reichlich Wort- und Situationswitz, eine Prise durchaus aktueller Bezüge, sehr glaubhafte und mit viel Witz und Charme dargestellte Charaktere – und wenn der beleibte Pastor nach übermäßigem Aspirin-Genuss ebenso elegant wie glaubhaft zu Boden sinkt, ist sogar ein mitleidiges Stöhnen aus dem Seniorenpublikum vernehmbar.
„Das Stück trifft den Nerv der Zeit und ist ganz nach dem Geschmack unserer Zuschauer“, ist sich auch Brigitte Kolde sicher. Und mit Kathrin Rump in der Rolle der Mandy Pasewalk, die als Aushilfe eine vor sich hin dümpelnde ehemalige DDR-Gaststätte wieder in Schwung bringen soll, brilliert ein ausgesprochenes Bühnentalent in der Hauptrolle.
Erst seit letztem Jahr ist die 50-Jährige bei der Deister-Süntel-Bühne dabei, und hat mit der Rolle der Mandy Pasewalk ihren ersten, absolut überzeugenden großen Auftritt. Sie liefert im ebenso behutsam wie kontrolliert und stringent vorgetragenen Sprachjargon und Dialekt aus der alten DDR eine tolle Leistung ab. Ohne zu übertreiben, mit einer beachtlichen Bühnenpräsenz zweifellos die Entdeckung des Abends. So erntet sie Lacher auf Lacher und bietet den anderen Schauspielerinnen und Schauspielern so manche Steilvorlage für deren Pointen.
Das Stück scheint den Akteuren der Deister-Süntel-Bühne auf den Leib geschrieben. Neben Kathrin Rump agieren Merle Schrader und Johanna Lindermann. Und Henrik Jochim erweist sich, obwohl Opfer einer Aspirin-Überdosierung, dennoch als bibelfester Geistlicher. Am Ende aber warten natürlich eine echte Überraschung und das Happy End.
Während man im Publikum noch das eine oder andere belegte Brötchen verspeist, lacht man zugleich herzhaft über das Bühnengeschehen, das an diesem Premierenabend allen Besuchern exzellent gemundet hat.
„Das servieren wir am 22. und 23. März noch einmal. Und dann tischen wir am 29. und 30. März zum letzten Mal auf“, kündigt Brigitte Kolde an.
Fazit: schmackhafte Theaterkost, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Guten Appetit.