Zum Wohle der Natur im Einsatz

Die jungen Bäume, die die Streuobstler pflanzen, sollen zu einer Allee heranwachsen und Lebensraum bieten. Fotos: Brinkmann-Thies

Die jungen Bäume, die die Streuobstler pflanzen, sollen zu einer Allee heranwachsen und Lebensraum bieten. Fotos: Brinkmann-Thies

15 junge Obstbäume und fünf Sommerlinden bereichern jetzt den Feldweg „In den Bleeken“ zwischen Völksen und Mittelrode. Gepflanzt haben die Bäume die „Streuobstler-Völksen“, eine Gruppe, die in ihrem Heimatort und der Umgebung neue Lebensräume für Bäume schaffen will.

VON ANNE BRINKMANN-THIES

Sie wurden von anderen Naturschützern aus dem Ort unterstützt. Eine frostige Nacht und einige Schneeflocken haben die Streuobstler am vergangenen Sonnabend nicht von ihrer Pflanzaktion abgehalten. Entlang des Feldwegs an einem Grünlandgürtel in der Hallerniederung haben rund ein Dutzend Frauen und Männer die Pflanzlöcher ausgehoben, die Wurzelballen der jungen Bäume mit Drahtkörben als Schutz gegen Wühlmäuse versehen und sorgfältig angegossen. Für die Versorgung der Naturschützer sorgte an diesem Tag Angela Hailer.

Die neu entstandene Baumreihe aus alten Obstbaumsorten und Sommerlinden stelle eine ökologische Verlängerung zu einer benachbarten und bewaldeten Nabu-Fläche dar, erklärte Helmut Zieseniß.

Dem Landwirt aus Völksen gehört ein Teil der Grünflächen entlang des Feldwegs „In den Bleeken“, auch andere Eigentümer haben der Neuanpflanzung von Bäumen auf ihrem Grund und Boden zugestimmt. Für die Bereitstellung der Flächen dankten die Streuobstler den Grundstückseigentümern. Ermöglicht wurde der Kauf der Bäume – bei einer örtlichen Baumschule – durch die Finanzierung der Bingo-Umweltstiftung, berichtete Dr. Björn Hailer, der die Gruppe der Streuobstler gemeinsam mit weiteren Völkserinnen und Völksern gegründet hatte.

Mit dem Pflanzen allein ist es für die Streuobstler jedoch nicht getan, denn die Bäume müssen auch gepflegt werden. „Wir rufen deshalb auch zu Patenschaften auf“, berichtet Michael Prelle. Die bislang von den Naturschützern gepflanzten Bäume könnten die Streuobstler, die selbst eine Schulung zum Obstbaumschnitt gehabt haben, zwar noch selbst pflegen. Für noch mehr Obstbäume brauche die Gruppe aber Unterstützung, so Prelle. Die könne entweder darin bestehen, selbst für die Pflege Hand anzulegen oder den Verein finanziell zu unterstützen.

Neben dem Schneiden der Bäume gehe es bei der Pflege auch um das Gießen bei Trockenheit und das Entfernen von Wildkräutern aus den Baumscheiben, erklärte Hailer. Die Streuobstler wollen mit ihrem Engagement für mehr Natur und mehr Biodiversität nicht nachlassen. „Neben der tatkräftigen Unterstützung beim Pflanzen und Pflegen benötigen wir unbedingt weitere Flächen“, so Hailer. Er berichtete weiter: „Mit ihrer Freude am Pflanzen von Bäumen für zukünftige Generationen haben die Streuobstler schon viele Mitbewohner aus Völksen angesteckt.“

Entstanden ist die Gruppe aus den Bürgerwerkstätten des ISEK-Verfahrens, Handlungsfeld „Natur und Landschaft sowie Klima- und Artenschutz“. Neben Björn Hailer gehören seine Frau Angela, Anke Zieseniß, Ulrike Fesser, Gaby Willamowius, Michael Prelle, Michael Schröder, Joachim Gustke – und seit kurzem – Peter Ohme zu den Streuobstlern.

Streuobstwiesen stellen einen ganz besonderen Lebensraum für Bäume, Pflanzen und Tiere dar, erklärt die Gruppe ihr Engagement. Die von Menschen geschaffenen Kulturlandschaften mit meist hochstämmigen, zum Teil auch sehr alten Obstbäumen, die weit auseinanderstehen, bieten Platz für Pflanzen und Tiere.

Es werden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt. „Wir möchten mit unserem Handeln auch dazu beitragen, dass in Völksen wieder an vielen Stellen Streuobstwiesen angelegt werden, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet“, erklärt die Gruppe in ihrer Pressemitteilung. Denn die Bäume haben gleich mehrere positive Effekte: So fördern sie nicht nur die Gesundheit und erhöhen die Lebensqualität, produzieren Sauerstoff und verbessern damit die Luftqualität, sie fördern auch die Artenvielfalt, spenden Schatten und sind wichtiger Bestandteil des Wasserkreislaufs und sichern somit auch das Grundwasser.

Seit dem Jahr 2021 sind Streuobstwiesen übrigens im bundesweiten UNESCO-Verzeichnis als immaterielles Kulturerbe gelistet.

Wer Kontakt zu der Gruppe aufnehmen möchte, schreibt eine Mail an: diestreuobstler@voelksen.de